Scientific Canine System® · Methode

Warum macht dein Hund das gerade?

Zu Hause klappt das Signal. Draußen löst dein Hund den Blick, wendet sich der Umwelt zu und geht auf Abstand. Das sichtbare Verhalten ist der Anfang: Erst wenn wir Situation, Lernerfahrung, Motivation, Emotion und körperlichen Zustand mitdenken, wird daraus eine brauchbare nächste Entscheidung.

Michi und Milo in einer beobachtbaren Trainingssituation im Freien.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Bevor ich etwas ändere, trenne ich Beobachtung von Erklärung.

Danach prüfe ich, welche Erklärung trägt, treffe eine Entscheidung und schaue, was sich dadurch tatsächlich verändert.

  1. 01

    Beobachten

    Milo löst den Blick, dreht Kopf und Körper zur Umwelt und vergrößert den Abstand. Das ist sichtbar. Ob er gestresst, neugierig, unsicher oder stark motiviert ist, ist damit noch nicht entschieden.

  2. 02

    Mögliche Erklärungen ordnen

    Die Umwelt kann gerade wichtiger sein als die angebotene Interaktion. Die Aufgabe kann zu schwer sein. Aktivierung, Lerngeschichte oder körperliches Befinden können mitwirken. Mehrere Erklärungen dürfen zunächst nebeneinanderstehen.

  3. 03

    Den nächsten Prüfpunkt wählen

    Wir verändern eine relevante Bedingung, zum Beispiel Distanz oder Schwierigkeit. So wird aus einer Vermutung eine prüfbare Arbeitshypothese.

  4. 04

    Handeln und Wirkung prüfen

    Wir schaffen mehr Abstand und fragen weniger. Wird freiwillige Orientierung wieder möglich, war die Anpassung wahrscheinlich hilfreich. Bleibt die Schwierigkeit bestehen, braucht es eine andere Erklärung oder Unterstützung.

Was die Situation mitbestimmt

Dasselbe Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben.

Darum betrachtet MOSER nicht nur das letzte Signal. Entscheidend ist, was vor, während und nach der Situation zusammenwirkt.

Lerngeschichte
Was hat der Hund in ähnlichen Situationen bisher erfahren?
Motivation
Was ist in diesem Moment wertvoll oder dringend?
Emotion und Aktivierung
Passt der aktuelle Zustand zur Aufgabe?
Körperlicher Zustand
Gibt es neue Veränderungen, Schmerz- oder Gesundheitsanzeichen?
Umwelt und Kontext
Welche Reize, Distanzen und Handlungsmöglichkeiten sind vorhanden?
Mensch-Hund-Interaktion
Welche Signale, Hilfen und Folgen entstehen im gemeinsamen Ablauf?

Vier Perspektiven

Dieselbe Situation lässt sich aus mehreren Richtungen prüfen.

Wissenschaft

Was wissen wir, wie sicher wissen wir es und wo beginnt Übertragung?

Struktur

Wie sind Aufgabe, Kriterium und Schwierigkeit gerade gestaltet?

Kommunikation

Welche Information bekommt der Hund und welche Folgen entstehen daraus?

Emotion

Was ist in dieser Situation wichtig, belastend oder überhaupt noch gut bearbeitbar?

Wie sicher ist die Erklärung?

Beobachtung, Evidenz und Entscheidung bleiben getrennt.

MOSER kennzeichnet intern, ob eine Aussage direkt untersucht wurde, aus Forschung begründet übertragen wird, als didaktisches Modell dient oder eine fachlich-ethische Entscheidung beschreibt. Für dich heißt das: Wir sagen, was wir beobachtet haben, was Forschung stützt, wo Unsicherheit bleibt und warum wir einen bestimmten nächsten Schritt empfehlen.

Modelle

Cockpit, Arousal-Skala und Stress-Eimer helfen beim Sortieren komplexer Zusammenhänge. Sie sind keine wörtliche Abbildung des Gehirns und auch nicht das SCS selbst.

Cockpit-Modell vertiefen

Living System

Wenn neue Evidenz eine Erklärung verändert, muss sich auch die Erklärung verändern. Modelle und Trainingsentscheidungen haben bei MOSER keinen Bestandsschutz.

Michi und Milo arbeiten gemeinsam in einer realen Alltagssituation.

Vom Verstehen zum Handeln

Eine Erklärung ist nur nützlich, wenn sie zu einer besseren Entscheidung führt.

Wenn Milo in einer Situation aussteigt, ändere ich zuerst das, was die Aufgabe gerade schwer macht, und schaue, was danach tatsächlich passiert.

Wird Orientierung wieder möglich, war die Anpassung wahrscheinlich hilfreich. Bleibt die Schwierigkeit bestehen, brauche ich eine andere Erklärung oder Unterstützung.